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16.07.2018 08:50 Alter: 122 days
Kategorie: Aus dem Verband

Nachruf

in Gedenken an Christa Wollstädter


Fassungslos nimmt der Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e.V. die Nachricht zur Kenntnis: Am Samstag, den 30. Juni 2018, verstarb Christa Wollstädter. Sie wurde nur 61 Jahre alt und erlag in wenigen Wochen einer schweren Erkrankung.

In ihrem gesamten Berufsleben setzte sich Christa Wollstädter mit der ihr eigenen pragmatisch- sachorientierten und herzerfrischenden Art für die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege ein. Stets kollegial, geradlinig und kameradschaftlich wirkte sie im Berufsverband mit.

30 Jahre lang war Christa Wollstädter Mitglied im Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e.V., davon vier Jahre Beisitzerin im Vorstand und 16 Jahre lang Schatzmeisterin des BeKD e.V.

In ihrer Eigenschaft als Landesdelegierte des BeKD in Rheinland-Pfalz war sie Ansprechpartnerin für die rheinland-pfälzischen BeKD-Mitglieder, sie vertrat die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege im Dachverband der Pflegeorganisationen in Rheinland-Pfalz (DPO) und den Berufsverband in der Deutschen Liga für das Kind.

Die Mitgliedschaft im Berufsverband war für sie wesentlich, um die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege als eine der Pflege-Berufsgruppen adäquat zu vertreten. Als Mitglied und als Beschäftigte in der Kinderkrankenpflege wolle sie über die Berufspolitik Einfluss nehmen, begründete sie 2015 in einem Interview ihre BeKD-Mitgliedschaft. Außerdem bezeichnete sie diese Mitgliedschaft als wichtig, um Familien mit ihren Kindern zu fördern und zu unterstützen.
Es dürfe nicht vergessen werden, „dass wir als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen den speziellen Anforderungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerecht werden. Dazu befähigen uns unsere Ausbildungsinhalte – und das muss im Interesse dieser Menschen auch so bleiben. Die Kompetenzen und die spezifischen  Fertigkeiten in der Grundpflege, die Anleitung zur Selbstpflege und damit zur Selbständigkeit – mithin dieses Fachwissen von Anfang an, die braucht es dringend.“ 

In ihrem Berufsalltag widmete sich Christa Wollstädter, die als Kinderkrankenschwester eine Zusatzausbildung zur „Fachkinderkrankenschwester für häusliche Kinderkrankenpflege“ und eine Weiterbildung zur „Unabhängigen Pflegesachverständigen im Gesundheitswesen“ absolviert hatte, der Beratung von Kindern und Jugendlichen sowie deren Angehörigen mit Spina Bifida. Abgesehen von einer vierjährigen „Kinderpause“ war sie seit ihrem Examen 1979 in ihrem Beruf tätig.
Seit 1999 arbeitete sie überwiegend in der Spina Bifida-Ambulanz der Rheinhessen Fachklinik Alzey in Mainz als Pflegefachkraft für pflegerische Beratung und Anleitung. Zudem war sie für die Arbeitsgemeinschaft für Querschnittsgelähmte mit Spina Bifida, ARQUE, tätig.

Im Mittelpunkt ihres beruflichen wie ehrenamtlichen Engagements standen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Beeinträchtigungen. Sie engagierte sich mit ihrer pflegefachlichen Expertise leidenschaftlich und nachdrücklich in der persönlichen Betreuung und Begleitung z.B. in Ferienfreizeiten und wusste gleichzeitig ihre Expertise in Verbänden und Gremien zu vermitteln. Es gelang ihr, ihre vielseitigen Kenntnisse schlüssig zu erklären, die notwendigen politischen Forderungen zu artikulieren und ihren Gesprächspartner/-innen eindringlich nahezubringen. Diese Kombination umfangreichen theoretischen Wissens mit den Erfahrungen aus vielen praktischen Tätigkeitsfeldern verlieh ihrer Argumentation eine außergewöhnliche Durchsetzungskraft. Beharrlich und mit akribischer Genauigkeit stieß sie Projekte an, um sie, in guten Händen wissend, andere fortführen zu lassen. So die Untersuchung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs aus der Perspektive der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Das gemeinsame Projekt des BeKD mit der GKinD mündete in die Entwicklung eines „Einschätzungsinstruments zur Erfassung des pflegerischen Unterstützungsbedarfs von kranken Kindern und ihren Familien“. In jüngerer Zeit griff Christa Wollstädter auch die Debatte über den Einsatz von Schulgesundheitsschwestern auf, deren Arbeit unter Mitwirkung des BeKD e.V. derzeit in zwei Modellprojekten getestet wird.
Christa Wollstädter vertrat den BeKD im Kindernetzwerk, dem Zusammenschluss von Elternselbsthilfegruppen auf Bundesebene und war viele Jahre im Vorstand der „National Coalition“, der Organisation zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland für den Bereich Kindergesundheit zuständig. 2015 hat sich die NC in einer neuen Rechtsform konstituiert und firmiert seither als „Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention e.V.“.  
In Rheinland-Pfalz trug Christa Wollstädter maßgeblich zur Errichtung der Landespflegekammer (LPK) bei. Sie war als Vorstandsmitglied im Gründungsausschuss und ließ es sich nicht nehmen, persönlich in den Kliniken des Landes die Registrierung der Pflegekräfte zu unterstützen. Nach der Konstituierung der Pflegekammer im Januar 2016 wurde Christa Wollstädter als eine von zwei Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen in den Vorstand der LPK gewählt. Hier wirkte sie in der AG Langzeitpflege, Behindertenpflege mit und war für die Mitgliederbetreuung zuständig.

Dem christlichen Glauben sehr verbunden hat sich Christa Wollstädter auch auf lokaler Ebene in vielen Bereichen für ihre Mitmenschen engagiert.

Der BeKD e.V. bedauert sehr, diese starke Mitstreiterin für die Rechte der Kinder, für die Erhaltung der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege verloren zu haben. Eine Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, deren Expertise und Vermittlungskompetenz gepaart mit Herzlichkeit und Zugewandtheit die Arbeit des Berufsverbandes immer bereichert hat. Das aufrichtige Mitgefühl gilt ihrer Familie.

Birgit Pätzmann-Sietas für den Vorstand des BeKD e.V.
Dr. Marion Diehl, BeKD-Pressereferentin